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Mytholyse

Wäre ich Gesetzgeber, mir würde ein einziges Gesetz genügen.
Ich würde einfach die Dummheit verbieten.

Als MYTHOLYSE bezeichne ich Bemühungen um das Auflösen von Mythen, Dogmen und Ideologien. Diese bilden sich zum einen automatisch, werden aber zum anderen auch willkürlich geschaffen.

Während Mythen die proto-wissenschaftlichen Versuche einer Welterklärung sind, verhindern Dogmen und Ideologien aktiv die Entwicklung von Wissenschaft.
Dogmen sind auch die Grundlage für Pseudo-Wissenschaften wie die Psychologie. Diese ahmt zwar die Methoden der Naturwissenschaften nach, ist auch akademisch organisiert, und somit keine Proto-Wissenschaft mehr, basiert aber auf Dogmen und Ignorismus.

Dogmen sind die Grundlage von Ideologien (als exklusive Heilsversprechen), und haben den IGNORISMus als Grundlage. Dogmen blenden den Großteil der Wirklichkeit einfach aus, und bieten so vermeintlich einfache Erklärungen für komplexe Probleme. Das macht sie u.a. so interessant und attraktiv.

Bisherige Mytholysen:

Trennung von Körper und Geist

Durch die durch den Katholizismus geprägte westeuropäische religiöse Mono-Kultur, geprägt von Intoleranz, Missionierungseifer und Dogmatismus, wurde die Trennung von Körper und Geist als Dogma etabliert, welches bis heute wirkt. U.a. bei der Unterteilung in Geistes- und Naturwissenschaften.
Dieses Dogma betrachtet den Unterschied zwischen Mensch und Tier, früher sowohl körperlich als auch psychisch – heutzutage nur noch psychisch, nicht als graduell, sondern als absolut. Also nicht wie in dem chinesischen Spruch „Das ganze Tier steckt im Mensch, aber nicht der ganze Mensch im Tier“, sondern als vollkommen unterschiedlich.

Dieses Dogma steht einer wissenschaftlichen Entwicklung u.a. der Psychologie bis heute im Wege. Eine Überwindung der dogmatischen Trennung von Geist und Natur ist genauso erforderlich wie die Neuentdeckung von Autoren wie G. J. Romanes, L. C. Morgan, H. G. Lewes, Th. Lessing … siehe hierzu auch die REdition Schmidt

Veröffentlichungen:
Entwurf einer wissenschaftlichen Psychologie

Körper-, Wir- und Kultur-loses ICH

Es ist das dreifache Dogma eines solipsistischen ICHs, dass unabhängig von Körper, sozialer Umgebung und der kulturellen Entwicklung dieser Umgebung ist, welches bisher einer Erkenntnis der menschlichen Psyche im Wege steht.
Diese drei Dogmen führen zu einem Zustand, der einer Kiste vergleichbar ist, die mit drei verschiedenen Schlössern versehen ist.
Zwar haben etliche Forscher das eine oder andere, teilweise auch zwei Schlösser gleichzeitig geöffnet, also die soziale Bedingtheit des ICH, seine Abhängigkeit von der kulturellen Entwicklung der Umgebung, etc.
Aber die Öffnung aller drei Schlösser gleichzeitig, also die Beseitigung aller drei Dogmen, und damit die „Öffnung der Kiste“, ist bisher nicht gelungen.
Die Kritik an der Mainstream Psychologie, ihren Methoden und ihrer Methodologie, wie zum Beispiel von Jaan Valsiner, Aaro Toomela und anderen wiederholt vorgetragen, ist richtig, führte aber bisher nicht zur Auflösung der bestehenden Dogmen. Die von den genannten vertretene Kultur-Psychologie, so wirksam etliche Erkenntnisse dieser auch sind, öffnet auch nur eines der drei Schlösser, und bleibt daher gefangen in der Kiste katholizistischer Dogmen.
So konnten sich die nächsten hier beschriebenen Dogmen halten, und es blieben zugleich wesentliche Erkenntnisse, wie die Existenz von „psychonomen Arten“, eingeschränkt.

Veröffentlichungen:
Entwurf einer wissenschaftlichen Psychologie

Das ICH und sein GEHIRN

„Das Ich und sein Gehirn“ ist der Titel des bekannten und einflussreichen Buchs von Popper und Eccles. Und zugleich der Ausdruck des Dogmas der Trennung von Körper und Geist, des Körper-losen ICHs. Doch im Lichte der Ethologie und Evolutionstheorie ist unser Bewusstsein die Folge einer evolutionären Entwicklung, und wir sind nicht so einzigartig und von den Tieren verschieden, wie wir das gerne glauben.
Die umgekehrte Reihenfolge ist dagegen richtig. Das Gehirn hat ein Ich, oder bei Persönlichkeitsstörungen auch deren mehrere.
Den Großteil der „Arbeit“ des Über-Lebens leistet jedoch unser Gehirn, als hochkomplexes und parallel verschaltetes Organ.
Unser Ich ist als evolutionär entwickeltes zusätzliches „Organ“ zur Interaktion mit der Umwelt anzusehen. So wie Augen, Ohren, Hände …
Zudem arbeitet unser Bewusstsein, über das wir unser Ich definieren, nur seriell, und ist deshalb mit komplexen Aufgaben überfordert.

Veröffentlichungen:
Entwurf einer wissenschaftlichen Psychologie
DOGmatismus. Neue Perspektiven auf Mensch, Hund und Kultur

Das BRAHM-Dogma

Es ist das auch auf den Katholizismus zurückgehenende Dogma des Bewusst, Rational, und Autonom handelnden Menschen, welches unsere Be-Deutungs-Rahmen bildet. Dies Dogma wird vor allem durch die Erkenntnisse der Sozialpsychologie widerlegt.

Veröffentlichungen:
Das BRAHM-Dogma und seine Widerlegung

Der logische Dualismus

Der logische Dualismus gründet in der zweiwertigen Logik, nach der entweder nur das eine oder das andere sein kann. Solche Zustände gibt es natürlich, wie z.B. bei einer Schwangerschaft. Wie der Volksmund ja weiß, geht ein bisschen schwanger nicht.
Doch es gibt auch Bereiche, wo zwei Begriffe nicht unverbunden-gegensätzliches ausdrücken, sondern die Endpunkte eines Kontinuums, wie Aaron Antonovsky mit dem Gesundheitskontinuum gezeigt hat.
Der logische Dualismus führt zu vielen Irrtümern und weiteren Dogmen, so zum Beispiel dem, dass sich qualitative und quantitative Forschung gegenseitig ausschließen, und nicht ergänzen.

Veröffentlichungen:
Entwurf einer wissenschaftlichen Psychologie

Forschung als „wissen wollen“

Das Dogma, dass Tätigkeiten innerhalb von Forschung immer dem „wissen wollen“ dienen. Die wohl interessanteste Form der „psychonomen Arten“ sind die communities of ignorance“ innerhalb der Wissenschaften. Deren Tätigkeit ist die Umsetzung dessen, was Jaan Valsiner als „pseudo-empirical“ bezeichnet, und ist in der Matrix dem Feld aus [wissen können + nicht wissen wollen] zugeordnet.

Tätigkeiten, bei denen alles erlaubt ist, solange es keine brauchbaren Ergebnisse liefert.
So wie im Bereich der Autismusforschung seit einem halben Jahrhundert, mit zigtausend „Forschern“, die in dieser Zeit weit über eine Millionen sinnfreier „wissenschaftlicher Artikel“ veröffentlicht haben.
Verlässt man diese psychonome Art, oder wird erst gar nicht Mitglied dieser, dann wird die Lösung des „Problems“ Autismus auf einmal ganz einfach.

Veröffentlichungen:
Entwurf einer wissenschaftlichen Psychologie
Autismus – wenn Händewaschen hilft
Autismus – und vorgetäuschte Hilfe
Autismus – „Blaming the Parents“ Forschung zwischen Dogma und Tabu
Das Münchhausen Stellvertreter Syndrom als Gruppenphänomen

Autismus

In den 1970er Jahren wurde von Bernard Rimland und seinen Anhängern das Dogma von Autismus als unheilbare, genetisch bedingte Krankheit in die Welt gesetzt. Die Möglichkeit einer positiven Beeinflussung des Entwicklungsverlaufs wurde bestritten.

Für die Etablierung des Dogmas wurden psychogene Theorien und ihre Vertreter, insbesondere Bruno Bettelheim, diskreditiert, der Kühlschrankmutter-Mythos erfunden, und das „Blaming the Parents“ in die Welt gesetzt. Und das alles bis heute unbemerkt und unkorrigiert von der WHO (ICD) und APA (DSM).

Veröffentlichungen:
Autismus und der Kühlschrankmutter-Mythos. Eine Rehabilitierung Bruno Bettelheims
Autismus – „Blaming the Parents“. Forschung zwischen Dogma und Tabu
Das Münchhausen Stellvertreter Syndrom als Gruppenphänomen

Kynologie

Aufgrund der dogmatischen Trennung von Körper und Geist, von Mensch und Natur, wurde über Jahrzehnte wild spekuliert, wie denn vor ca. 30.000 Jahren Menschen und Wölfe zueinander fanden.
Beseitigt man diese dogmatische Trennung, dann wird offensichtlich, dass es sich bei dem Zusammenwirken von Mensch und Wolf/Hund um eine artübergreifende Kooperation handelt. Solche Kooperationen sind in der Natur eher die Regel als eine Ausnahme.

Veröffentlichungen:
DOGmatismus. Neue Perspektiven auf Mensch, Hund und Kultur

Institutionalisierte Misshandlungen

Wie blind die Psychologie aufgrund der bestehenden Dogmen und damit Be-Deutungsrahmen ist, blind durch das Fehlen einer entwickelten klinischen Sozialpsychologie, zeigt sich nicht nur bei dem „Verständnis“ von Autismus und der darauf beruhenden Misshandlung von Autisten während der letzten fünf Jahrzehnte.
Die Blindheit zeigt sich auch daran, dass institutionalisierte MIsshandlungen wie z.B. bei indigenen Kindern in Umerziehungsheimen in Kanada, der Odenwaldschule in Deutschland … wenn überhaupt, dann immer erst nach Jahrzehnten wahrgenommen wurden – durch die Öffentlichkeit. Aber nie die damit verbundenen Fragen von der Psychologie überhaupt aufgeworfen wurden:
1.) Wie kann es sein, dass Institutionen, die sich das Wohl ihrer Schützlinge auf die Fahne schreiben, eben diese Schützlilnge kollektiv misshandeln? Was ist die zugrunde liegende Psychopathologie?
2.) Und was sind die Ursachen, dass diese Misshandlungen nicht zu ihrer Zeit, sondern erst nach Jahrzehnten – wenn überhaupt – wahrgenommen werden?
Dargestellt habe ich eine institutionalisierte Misshandlung am Beispiel von Hunden in deutschen Tierheimen, weil diese Misshandlungen
1.) gegenwärtig,
2.) eindeutig, und
3.) offen-sichtlich sind.
Die Misshandlungen bestehen – trotz widersprechender Bestimmuingen sowohl im deutschen Tierschutzgesetz als auch in der Tierheimordnung (des deutschen Tierschutzbundes e.V.) – aus u.a.
1.) langjähriger Zwingerhaltung,
2.) keine professionelle und sofortige Beseitigung von Verhaltensproblemen, sowie
3.) Vermittlung von Hunden trotz vorhandener Verhaltensprobleme.
Kant hatte den Imperativ formuliert, dass man Menschen niemals NUR als Mittel, sondern immer auch als Zweck ihrer selbst betrachten und behandeln sollte.
Gleiches gilt, zumindest meiner Meinung nach, auch für Tiere.
Während in der Massentierhaltung, von Gier geprägt, Tiere NUR als Mittel gesehen werden, so im Tierschutz häufig NUR als Zweck.
Beides ist falsch, führt zu Misshandlungen, und ist Ausdruck von „antagonistisch symbiotischem Narzissmus„.

Veröffentlichungen:
Symbiotischer Narzissmus als Gruppenphänomen
Das Münchhausen Stellvertreter Syndrom als Gruppenphänomen
Zur Psychopathologie institutionalisierter Misshandlungen

Wahrheit

Das wohl am schwierigsten zu überwindende Dogma ist das der WAHRHEIT.
Dabei wird gerne übersehen, dass der Weg vom griechischen Ursprung der Vorstellungen von Wahrheit bis zu uns nicht ununterbrochen war. Zwischen dem Verlust der griechischen Philosophie in Westeuropa und ihrer Rückkehr lagen mehrere Jahrhunderte, die rein vom Katholizismus geprägt wurden. Und dieser baute auf einen Gott, der im Besitz der reinen Wahrheit ist, auf Stellvertreter Gottes, die sich auch im Besitz dieser Wahrheit wähnten.
Als die griechische Philosophie im Mittelalter wieder entdeckt wurde, da geschah dies als „Magd der Theologie“.
So kann man bei Thomas von Aquin lesen „Was in den sonstigen Wissenschaften sich als im Widerspruch mit der Theologie befindlich erweist, muss als falsch verworfen werden.“ [zitiert nach Hirschberger, 1949]
Wahrheit findet man so vielfältig im Gebrauch, dass der Artikel hierzu in der Wikipedia sehr lang ist. Ein zentraler Punkt jedoch ist wohl der Wahrheitsbegriff in der Logik, die wiederum Grundlage für wissenschaftstheoretische Grundlagen ist. Danach ist eine logische Aussage wahr, die in sich widerspruchsfrei ist.
Doch Vaihinger zeigt, dass diese Widerspruchsfreiheit in keiner Weise notwendig ist, um zu brauchbaren Ergebnissen zu gelangen. So unterscheidet Vaihinger in „echte Fiktionen“, die nicht nur der Wirklichkeit widersprechen, sondern auch in sich selbst widersprüchlich sind, und „Semi-Fiktionen“, die nur der Wirklichkeit widersprechen. Beide Arten von Fiktionen können zu brauchbaren, wirksamen, Ergebnissen führen.
Jegliche analytische Zerlegung ist zumindest eine Semi-Fiktion (siehe z.B. G.H. Lewes).
Und obwohl sowohl in den Naturwissenschaften als auch der Psychologie (siehe z.B. Watzlawick) es weitgehender Konsens ist, dass es keine Wahrheit gibt, so geistert dieser Begriff und die damit verbundenen Vorstellungen weiter herum. Oder es kommt zu einer Verwirrung der Begriffe, wie in dem Buchtitel von Paul Watzlawick „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ Die Wirklichkeit ist wirklich, sonst wäre es ja nicht die Wirklichkeit. Aber sie ist eben nicht wahr. Von daher müsste der Titel eigentlich lauten „Wie wahr ist die Wirklichkeit?“
Und so wie Elefanten und Fledermäuse als bionome Arten in verschiedenen Wirklichkeiten, in verschiedenen Be-Deutungs-Rahmen und Handlungs-Rahmen leben, so auch psychonome Arten. Wobei verschiedene wissenschaftliche Schulen als psychonome Arten zu begreifen sind. Mit verschiedenen „Frames of Meaning“ und „Frames of Practice“. Was die von TS Kuhn aufgeworfenen Fragen beantwortet und zugleich erklärt, warum nach Max Planck die Vertreter einer alten, der neuen widersprechenden Theorie nicht überzeugt werden, sondern aussterben.
Aus psychologischer Sicht ist die Eidesformel „… die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit“ unhaltbar geworden. Es wäre höchstens möglich zu schwören, dass man nicht bewusst lügt. Aber das Ergebnis hat trotzdem mit Wahrheit in aller Regel wenig bis gar nichts zu tun.
Deshalb führe ich den Begriff der WIRKHEIT ein.
Wirkheit ist niemals absolut, sondern steht immer in einem mehr-weniger Verhältnis. Eine Theorie kann zum Beispiel eine höhere oder niedrigere Wirkheit haben als eine andere.
Wissenschaftliche Fiktionen beanspruchen somit Wirkheit, Dogmen dagegen eine absolute, alleinige Wahrheit.

Publikationen:
Vernunft und Freiheit bei Thomas von Aquin
Entwurf einer wissenschaftlichen Psychologie

Moral

Moral ist eine Erfindung des westlichen Katholizismus. Moral ist IMMER Doppelmoral. Moral dient dazu, anderen die eigenen Vorstellungen aufzuzwingen, ohne diese aber unbedingt selber befolgen zu müssen. „Wasser predigen und Wein trinken“. Moral richtet sich auf das Aussen, auf den anderen.
Tugend, in Form der vier Kardinaltugenden „Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maß„, richtet sich dagegen in das Innen, richtet sich an sich selber. Man kann zum Beispiel, leider, Klugheit nicht bei anderen erzwingen, sondern höchstens bei sich selber verwirklichen. Gleiches gilt für die drei anderen Kardinaltugenden.
Moral dient dem Dogma, dass die eigenen „moralischen“ Vorstellungen die einzig wahren sind. Und dass man damit das Recht hat, diese Vorstellungen anderen aufzuzwingen.
Moral ist Teil und Grundlage der Ideologie, dass die Befolgung der (eigenen) moralischen Regeln der einzige und richtige Weg zu Vollkommenheit und Glück ist.

Veröffentlichungen:
Zur Psychopathologie institutionalisierter Misshandlungen